WHO zeichnet NÖ Vorzeigeinitiative „Healthacross“ aus

(v.l.n.r.): Francesco Zambon, WHO-Regionalleiter für Vernetzung in Europa, und Landesrat Martin Eichtinger (Bildquelle: Thomas Resch)
(v.l.n.r.): Francesco Zambon, WHO-Regionalleiter für Vernetzung in Europa, und Landesrat Martin Eichtinger (Bildquelle: Thomas Resch)

Bei der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung hat das Bundesland Niederösterreich international eine Vorreiterrolle eingenommen. Im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten informierten heute Landesrat Martin Eichtinger und Francesco Zambon, WHO-Regionalleiter für Vernetzung in Europa, über das niederösterreichische Projekt „Healthacross“, das von der WHO zum internationalen Best-Practice-Modell gekürt wurde.

„Niederösterreich ist das erste Bundesland, das von der World Health Organization ‚WHO‘ als internationale Vorzeigeregion ausgewählt wurde. Auf diese Auszeichnung sind wir sehr stolz, denn seit mittlerweile zwölf Jahren setzt Niederösterreich mit der Vorzeigeinitiative ‚Healthacross‘ grenzüberschreitende Gesundheitsprojekte um und baut die Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Gesundheitsbereich weiter aus. Die WHO hat zu ‚Healthacross‘ nun einen eigenen WHO-Report publiziert, um die NÖ Leuchtturmprojekte auch in anderen Regionen auf der ganzen Welt bekannt zu machen“, so NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Eichtinger.

WHO-Regionalleiter für Vernetzung in Europa, Francesco Zambon, ist beeindruckt, wie sich aus einem kleinen Projekt eine große Gesundheitsinitiative über die Landesgrenzen hinaus entwickelt hat: „Niederösterreich macht seinen Namen als Best-Practice-Region in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung alle Ehre. Im Landesklinikum Gmünd wurden seit dem Jahr 2008 rund 5.000 tschechische Patienten aus der Grenzregion ambulant behandelt.“ Das Land Niederösterreich sei eine Vorzeigeregion für die Weltgesundheitsorganisation, meinte er. „Die Erfahrungen und das Know-how der Initiative ‚Healthacross‘ wollten wir unbedingt in einem WHO-Report festhalten, damit Regionen in anderen Ländern davon profitieren können und neue Impulse für ihre grenzüberschreitende Gesundheitsarbeit erhalten“, so Francesco Zambon.

Grenzüberschreitende Gesundheitsprojekte sichern eine wohnortnahe medizinische Versorgung und fördern den Wissensaustausch zwischen den Ländern. Auslastung und Kosten werden durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen wie medizinische Geräte und Personal optimiert. Durch die Erweiterung des Einzugsgebietes werden Gesundheitsangebote stärker nachgefragt, damit bleiben Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region.

„Die WHO-Auszeichnung ist eine Bestätigung für unser Bemühen, beste medizinische Versorgung nahe am Wohnort der Menschen zu sichern. Es ist zugleich auch ein Zeichen für die Innovationskraft und internationale Vorbildwirkung Niederösterreichs im Gesundheitsbereich. Mit dem WHO-Report ist unsere Initiative ‚Healthacross‘ nicht nur Impulsgeber für ganz Österreich, sondern auch für andere Länder. Am Wichtigsten ist es uns jedoch, dass unsere Aktivitäten den Menschen vor Ort zugutekommen und sie medizinische Leistungen in höchster Qualität erhalten“, freute sich Eichtinger.

Im Frühjahr 2019 startet der Bau des ersten internationalen Gesundheitszentrums in Gmünd. Gesundheits-Experten aus beiden Regionen werden gemeinsam unter einem Dach zusammenarbeiten und sowohl niederösterreichische als auch tschechische Patienten versorgen. Im nächsten Schritt ist auch die stationäre Behandlung geplant. Vereinbarungen sorgen dafür, dass die Behandlungskosten für die tschechischen Patienten direkt von den tschechischen Versicherungen übernommen werden.

Zukünftig sollen auch Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher auf freiwilliger Basis Angebote in angrenzenden Ländern in Anspruch nehmen können, um von wohnortnahen Gesundheitsleistungen profitieren zu können. Im Rahmen von Pilotprojekten erhalten Niederösterreicher eine Strahlentherapie im Krankenhaus in Znaim bzw. sollen frühgeborene oder kranke neugeborene Babys in der Kinderuniversitätsklinik Bratislava (Pressburg) behandelt werden. Die Pilotprojekte stellen sicher, dass die medizinische Ausstattung und die Fachexpertise europäischen Standards entsprechen.

Im Landesklinikum Melk wurde mithilfe von Know-how aus dem Krankenhaus in Znaim das erste EU-zertifizierte Endometriose-Zentrum für Frauen aufgebaut. Bisher wurden mehr als 80 Patientinnen erfolgreich behandelt, 15 Patientinnen konnte sogar ihr Kinderwunsch erfüllt werden. Dank des Rettungsvertrages zwischen Niederösterreich und den tschechischen Regionen Südböhmen, Südmähren und Vysočina ist es selbstverständlich, dass Rettungsteams Grenzen überqueren und immer das schnellste Rettungsteam zum Einsatzort kommt, egal aus welchem Land. „Damit ist eine rasche und unbürokratische Hilfe im Notfall gesichert“, so Eichtinger.