Besucherplus in NÖ Bädern: Hoher Kostendruck trübt die Bilanz

Gute Saison für die rund 160 NÖ Bäderbetriebe: Besucherzahlen gestiegen. Doch hohe Energie-, Personal- und Instandhaltungskosten machen den Betreibern zu schaffen.

Die rund 160 NÖ Bäderbetriebe können auf eine überwiegend erfreuliche Sommersaison zurückblicken, die mit Schulbeginn vielerorts zu Ende geht. Der Großteil der befragten Bäder bewertet die Sommersaison als gut oder sehr gut, bei drei Viertel sind die Besucherzahlen gegenüber 2025 gestiegen, vielfach sogar deutlich. „Nach der schwierigen Saison im Vorjahr hat uns der Sommer heuer deutlich besser mitgespielt. Das zeigt sich unmittelbar bei den Besucherzahlen“, zieht Harald Gölles, Sprecher der Bäderbetriebe in der Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ), eine positive Bilanz. „Für Freibäder entscheidet das Wetter über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Saison. Ein guter Sommer verschafft den Betrieben Luft – er löst aber die strukturellen Herausforderungen nicht“, betont Gölles.

Wetter-App entscheidet über den Freibadbesuch

Deutlich zeigt sich, wie kurzfristig viele Gäste ihren Freibadbesuch planen. Zahlreiche Betreiber berichten, dass die Entscheidung stark von der aktuellen Wetterprognose abhängt. „Der Blick auf die Wetter-App entscheidet heute oft über den Badetag. Sonne und hohe Temperaturen bringen spontan viele Gäste, bei einer unsicheren Prognose bleiben sie dagegen schnell aus“, so Gölles.

Entsprechend wichtig ist ein attraktives Gesamtangebot. Sauberkeit, Schattenplätze, familienfreundliche Preise und Angebote für Kinder werden ebenso genannt wie gute Gastronomie, Rutschen, großzügige Öffnungszeiten und ausreichend Parkmöglichkeiten.

Bäder zu erhalten, ist nicht nur eine Frage des Freizeitangebots

Dass Bäder weit mehr sind als reine Freizeitangebote, zeigt auch eine aktuelle österreichweite Erhebung aller für den Schwimmunterricht nutzbaren Wasserflächen des Österreichischen Schwimmverbandes im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Demnach stehen insbesondere für den Ganzjahresbetrieb zu wenige Hallenbäder und Wasserflächen zur Verfügung. Vielerorts fehlen Kapazitäten für Kindergärten, Schulen, Schwimmschulen und Vereine, bestehende Hallenbäder sind stark ausgelastet. Hinzu kommen regionale Unterschiede und teilweise lange Anfahrtswege.

„Ein Bad ist Naherholungsraum, Treffpunkt und ein Stück Lebensqualität direkt vor der Haustür. Gleichzeitig brauchen wir diese Infrastruktur, damit Kinder überhaupt die Möglichkeit haben, Schwimmen zu lernen. Der Erhalt unserer Bäder ist daher nicht nur eine Frage des Freizeitangebots“, betont Gölles.

Gute Saison kann steigende Kosten nicht ausgleichen

Trotz der guten Besucherzahlen bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Bäder angespannt. Ein Großteil der Betreiber bezeichnet die Belastung durch Energie-, Personal- und Instandhaltungskosten als stark oder sehr stark. Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass öffentliche Bäder kaum kostendeckend zu führen sind und ihre Finanzierung zunehmend schwieriger wird.

„Eine gute Saison darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kostendruck weiter steigt“, warnt Gölles. Besonders bei älteren Anlagen stehen Investitionen an, etwa die Erneuerung von Bädertechnik und Pumpen, Sanierungen von Becken und Sanitäranlagen, Investitionen in Photovoltaik und erneuerbare Energie sowie zusätzlicher Sonnenschutz.

Auch die Personalsuche bleibt eine Herausforderung. Besonders gefragt sind Bademeister und Badeaufsicht sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Reinigung und Gastronomie. Positiv sei, so Gölles, dass aufgrund von Personalmangel bislang keine wesentlichen Einschränkungen bei Öffnungszeiten oder Angeboten notwendig waren.

„Frei- und Hallenbäder sind keine Selbstverständlichkeit“

Die österreichweite Erhebung unterstreicht zugleich die finanziellen Herausforderungen beim Erhalt der Schwimminfrastruktur. Viele Gemeinden kämpfen mit steigenden Betriebs- und Erhaltungskosten. Damit geraten langfristig auch jene Wasserflächen unter Druck, die für Schulen, Vereine und Schwimmausbildung benötigt werden.

Gölles appelliert daher auch an die Bevölkerung, die bestehenden Angebote zu nutzen: „Viele Gemeinden investieren Jahr für Jahr beträchtliche Summen, damit ihre Bäder erhalten bleiben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wer ins Hallen- und Freibad geht, bekommt nicht nur Abkühlung und Freizeitvergnügen, sondern trägt auch dazu bei, diese wichtige Infrastruktur zu erhalten.“

Tragfähige Finanzierungskonzepte und öffentliche Unterstützung

Langfristig brauche es neben Investitionen in energieeffiziente Technik tragfähige Finanzierungskonzepte und entsprechende öffentliche Unterstützung. „Wir dürfen nicht warten, bis Wasserflächen verschwinden und Schwimmunterricht immer schwieriger wird. Die heurige Saison zeigt, wie wichtig und gefragt unsere Hallen- und Freibäder sind. Jetzt geht es darum, diese Infrastruktur langfristig abzusichern“, so Gölles.

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