60 Jahre NÖ Weinköniginnen – Ein Kult erwacht zum Leben

Weinkönigin Christina Hugl mit der ersten Weinkönigin Eleonore Fruhstuck, die das Amt im Jahr 1955 inne hatte. (Bildquelle: LKNÖ / Eva Posch)

Im Jahr 1955 nahm die erste Weinkönigin in Niederösterreich ihr Zepter in die Hand. Seitdem sind die Weinköniginnen wichtige Botschafterinnen des heimischen Weines und kurbeln mit ihrem Wissen und ihrem Engagement das positive Image des Traditionsgetränks immer wieder von neuem an. Insgesamt 33 Hoheiten traten bis heute für den Wein ein. Alle zwei Jahre werden die Hoheiten neu gewählt. In ihrer Amtszeit übernehmen sie auch für ein Jahr die Funktion der österreichischen Weinkönigin.

Es war nicht die Zeit von Wickie, Slime und Paiper. Auch die legendäre Hippie-Bewegung sollte erst über ein Jahrzehnt später ins Leben gerufen werden. Und trotzdem brachten die 50er Jahre einen Kult hervor, der sich bis heute erhalten hat. Denn im Jahr 1955 wurde die erste Weinkönigin gekrönt. Es war Eleonore Selitsch aus Königsbrunn, die sich die Krone sicherte. Damit nahm die erste Hoheit ihr Zepter in die Hand und vertrat ganz offiziell den Wein in all seinen Facetten. Damals wie heute keine leichte Aufgabe wie die amtierende Weinkönigin Christina Hugl zu berichten weiß: „Es reicht nicht, einfach nett zu lächeln und hübsch auszuschauen. Man muss auch viel Fachwissen mitbringen, um das Amt der Weinkönigin erfüllen zu können.“ Eine Tatsache, der sich auch Eleonore Selitsch vor 60 Jahren gestellt hat.

Erste Weinkönigin erinnert sich

Heute ist die 79-Jährige Eleonore Mutter von zwei Töchtern, war verheiratet und heißt mittlerweile im Familiennamen Fruhstuck. „Ich war zu einer Zeit Königin, in der der Wein noch lange nicht das Image von heute hatte“, erklärt Eleonore Fruhstuck und lässt ihre Amtsperiode nochmals Revue passieren. Drei Schilling kostete damals ein Liter Wein und die Landwirtschaftskammer begann Reklame zu machen, um die Wertschätzung der Bevölkerung dem Wein gegenüber anzukurbeln. Gab es zwar unzählige regionale Hoheiten, so fehlte es in jener Zeit noch an einer überregionalen Königin. Erst im Jahr 1955 wurde erstmals zur Wahl der ersten Weinkönigin Niederösterreichs und Österreichs geladen. „Das Niveau war ziemlich hoch. Alle Mädchen stammten aus Weinbaubetrieben. Meine Großeltern hatten zwar einen Weinbaubetrieb, aber ich war die Tochter eines Tierarztes und fiel damit eher aus dem Rahmen“, erinnert sich Eleonore I. Obwohl sie am großelterlichen Betrieb immer wieder mithalf, fehlten ihr im Vergleich zur Konkurrenz wertvolle praktische sowie theoretische Erfahrungen. Davon ließ sie sich allerdings nicht abschrecken und zeigte in Hinblick auf ihren Wissensstand Eigeninitiative. Ein eigener Professor von der Weinbauschule Klosterneuburg, nahm die Enkelin einer Winzerfamilie unter seine Fittiche und unterrichtete sie vor allem in der Theorie. „Die Weinbauschule habe ich erst gemacht, da war ich bereits Königin“, so Fruhstuck. Dennoch wusste die Kandidatin mit ihrem Wissen, ihrer Redegewandtheit und ihrem Selbstbewusstsein zu punkten. Kriterien, die bis heute wesentlich bei der Wahl der Weinkönigin mitentscheiden.

Königinnen meisterten auch herausfordernde Zeiten

Besonders in den 80er Jahren wurde das Know-how der Weinköniginnen auf eine harte Probe gestellt. „Als ich in den 80er Jahren begann mich aktiv für den niederösterreichischen Wein einzusetzen, war ich froh, die Weinköniginnen an meiner Seite zu haben. Nach dem Weinskandal waren sie wesentlich am Wiederaufbau des Images beteiligt“, erklärt der ehemalige Weinbaupräsident Josef Pleil. Damit beschreibt Pleil eine Zeit, die es wirklich in sich hatte. Österreichischer Wein war out, wie auch der Weinprofi zu berichten weiß: „Es gab nahezu keine Wertschätzung mehr für unseren heimischen Wein und wir mussten Imagepolitur betreiben. Hier konnte ich mich auf unsere Weinköniginnen verlassen, die dies bravurös meisterten“, so Pleil. Dabei lautete das oberste Ziel: Den Markt aufzurichten und aufs Neue zu erschließen. Imagereisen in bekannte Urlaubs-Skiorte waren dafür ebenso ein Mittel zum Zweck, wie Auslandsaufenthalte. „Die Königinnen haben schon damals Aufsehen erregt und konnten mit ihrer Überzeugungskraft und ihrem Wissen über Wein bei der Gesellschaft punkten“, erklärt Pleil, der in seiner Funktion als Weinbaupräsident Österreichs von insgesamt 17 niederösterreichischen Hoheiten begleitet wurde. Den damaligen Weinhoheiten ist es zu verdanken, dass neue Absatzmärkte gefunden und eine neue Vertrauensbasis bei den Konsumenten hergestellt werden konnten.

Vorurteile fehl am Platz

Jung oder naiv? Mit diesen Vorurteilen räumen Eleonore Fruhstuck, Josef Pleil und Christina Hugl ganz klar auf: „Es sind immer kompetente Frauen an vorderster Front gestanden. Sie waren es, die den Wein und seine Produktion erst so richtig populär gemacht haben und sie waren es auch, die Weingenuss tatsächlich salonfähig gemacht haben.“ Trotzdem orten die beiden Weinköniginnen einen gravierenden Unterschied zwischen heute und damals: „Die Ausgangslage ist schwieriger geworden. Früher wurde Wein noch direkt beim Winzer gekauft. Heute findet man ihn in jedem Supermarkt und kann zwischen internationalen und heimischen Weinen wählen.“ Hat zwar ein gesteigertes Qualitätsbewusstsein bei Konsumenten und Produzenten Einzug gehalten, ist die Konkurrenz zu heimischem Wein so groß wie nie zuvor. „Es wurde damals insgesamt mehr Wein getrunken. Früher hatte ich als Weinkönigin das Gefühl, man kann tatsächlich Wunder wirken“, so Eleonore I. Und dennoch liegt Wein derzeit voll im Trend und vor allem junge Leute wissen hier die Qualität der heimischen Winzer zu schätzen. „Das Publikum ist jünger und fachlich sehr kompetent“, meint Christina und liebt es, mit den Konsumenten Fachgespräche zu führen.

Erster Königinnenwein zum Jubiläum

Für das Jubiläumsjahr haben sich Weinkönigin Christina I., Vizeweinkönigin Victoria Gottschuly und Vizeweinkönigin Dagmar Kohl etwas ganz besonderes für Weinliebhaber überlegt. Sie bringen einen gemeinsamen Wein heraus, der nun als „The Queens wine“ Weinliebhaber-Herzen höher schlagen lässt. „Wir haben uns überlegt, wie wir unserer Amtszeit noch mehr Esprit verleihen können. Das Ergebnis ist unser Königinnenwein“, so die Hoheiten. Fachliche Kompetenz, Engagement und Unverwechselbarkeit, die man damit also neuerdings sogar schmecken kann.

Weinkönigin Christina Hugl (Mitte) mit ihren Stellvertreterinnen Dagmar Kohl (links) und Victoria Gottschuly. Gemeinsam feiern sie das 60-jährige Jubiläum ihres Amtes. (Bildquelle: LKNÖ/Eva Posch)