Bilanz Notruf NÖ: Notfalleinsätze um sechs Prozent gestiegen

Bilanz Notruf NÖ: Notfalleinsätze um sechs Prozent gestiegen
(v.l.n.r.): Notruf-NÖ-Geschäftsführer Christof Constantin Chwojka und Landesrat Martin Eichtinger bei der Pressekonferenz in St. Pölten (Bildquelle: Thomas Resch)

NÖGUS-Vorsitzender und Landesrat Martin Eichtinger bezeichnete Notruf NÖ als österreichisches Vorzeigebeispiel: „Seit mehr als 15 Jahren leistet der Notruf NÖ hervorragende Arbeit und ist so österreichweites Vorzeigemodell bei der präklinischen Versorgung geworden.“ Zudem habe sich Notruf NÖ international einen Namen gemacht. Jedes Jahr wird von der Internationalen Akademie für Notrufbearbeitung die Auszeichnung zum „Disponenten des Jahres“ vergeben. „2019 hat Notruf NÖ diese Auszeichung bereits zum vierten Mal geholt“, so Eichtinger.

Das Land Niederösterreich habe das Ziel, die beste medizinische Versorgung für die Menschen zu sichern. Eichtinger dazu: „Eine wichtige Säule ist dabei unser Notruf NÖ.“ Im Vorjahr verzeichnete der Notruf NÖ über vier Millionen Kontakte. Darin enthalten sind 1,44 Millionen persönliche Telefonate. Das bedeute, alle 30 Sekunden habe ein Experte von Notruf NÖ zum Hörer gegriffen. „Durch den Einsatz modernster Technik konnten wir die Telefonate erneut verringern, nämlich um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr“, erklärte Eichtinger. Das gelinge dadurch, weil nicht notwendige Gespräche durch elektronische Datenübermittlung ersetzt werden. „Die Dauer der Gespräche wurde im Gegenzug gesteigert. Es bleibt mehr Zeit für jene, die bei Notruf NÖ anrufen“, unterstreicht der Landesrat. Von den 1,44 Millionen Telefonaten waren 2019 rund 252.000 Anrufe als Notrufe zu werten (+1,4 Prozent gegenüber 2018). Auch die Notfalleinsätze für das Rote Kreuz, den Arbeitersamariterbund, die Christophorus Flugrettung, der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie der Berg-, Wasser- und Höhlenrettung und den unterschiedlichen Hundestaffeln in Niederösterreich seien im Jahr 2019 um sechs Prozent gestiegen, nämlich auf 248.500 Notfalleinsätze.

Im Vorjahr verzeichnete der Notruf NÖ über vier Millionen Kontakte (Bildquelle: Thomas Resch)

Eine wesentliche Säule spielt mittlerweile auch die Notruf-App. Eichtinger: „Mit dieser App werden per Knopfdruck am Smartphone die Koordinaten des Unfallorts übermittelt und die Rettungskräfte alarmiert. Möglich sind dabei auch Eintragung von notfallrelevanten Gesundheitsinformationen. Diese Daten werden gleichzeitig mit dem genauen Standort und vielen weitere Informationen beim Notruf sofort an die jeweilige Notrufleitstelle übermittelt“, fügte Eichtinger an. Seit 2018 haben über 50.000 Personen die App am Handy installiert, 738 Notrufe wurden aus ganz Österreich über die App abgesetzt. „Neben Tschechien und der Slowakei haben wir vergangenes Jahr die Verfügbarkeit auch auf Ungarn ausgeweitet“, freut sich Landesrat Eichtinger über die internationale Zusammenarbeit. Die Notruf-App habe auch administrative Vorteile und erleichtere die medizinische Dokumentation in den Rettungsfahrzeugen am Weg ins Krankenhaus. So bekomme die übernehmende Ambulanz im Klinikum sofort die erhobenen Gesundheitswerte und Parameter übermittelt und kann sich so optimal auf die Patienten vorbereiten.

Bei der Gesundheitsberatung 1450 konnte 2019 ein deutlicher Anstieg verzeichnet werden. „Waren es 2018 noch 30.585 Beratungsgespräche, wurden 2019 54.644 gezählt. Die speziell ausgebildeten diplomierten Krankenpflegepersonen konnten in durchschnittlich fast 14 Minuten pro Telefonat den Hilfesuchenden eine Dringlichkeitseinschätzung und den Hinweis zur optimalen Behandlungsstelle geben“, zog der Landesrat Bilanz. 80 Prozent der über die Gesundheitsberatung 1450 empfohlenen Versorgungseinrichtungen wurden in der vorgesehenen Zeit von den Anrufern aufgesucht.

Notruf NÖ-Geschäftsführer Christof Constantin Chwojka ging in seinem Ausblick auf die technologische Weiterentwicklung ein. „2020 erfolgt der Umstieg auf die 5G-Technologie. Wir erwarten uns dadurch neue Möglichkeiten.“ Es gehe darum, bestehende Apps und Anwendungen weiterzuentwickeln. Der Weg führe hin zu mehr digitaler Kommunikation, so der Geschäftsführer. Auch die Bildübermittlung nehme einen höheren Stellenwert ein. „Einerseits zu Dokumentationszwecken beim Rettungsdienst, andererseits um die Fotos den Kliniken bereitzustellen, damit die aufnehmende Ambulanz das gleich hat und sich selbst ein Bild machen kann.“ Dennoch, so Chwojka, sei das Telefonat die wichtigste Verbindung zwischen Notruf NÖ und dem Anrufer.

Ein weiterer Schwerpunkt liege bei den Mayday-Situationen für Rettungspersonal. Diese sollen es der Leitstelle von Notruf NÖ ermöglichen, die Einsatzkräfte vor Ort besser zu unterstützen, sobald sie selbst in Gefahr geraten. „Da stocken wir technisch auf“, so Chwojka.

Laut dem Geschäftsführer werden unter anderem Transportberichte und Patientendokumentationen elektronisch angefertigt. „Mit dem ‚paperless event‘ passiert alles online. Das weiten wir heuer aus, unter anderem auf die Rettungshundestaffel.“ Im Hinblick auf die „Elektronische Gesundheitsakte“ ELGA forderte Chwojka: „Es muss die Möglichkeit geben, darauf zuzugreifen, vor allem im Bereich der E-Medikation, damit wir sehen welche Medikamente der Anrufer nimmt. Das erspart Fehlerquellen und hilft in der Beratung. Aber auch das Gespräch, das über 1450 geführt wird, sollte in ELGA abgelegt werden können.“