„Grüner Ring“ geht in die nächste Phase

(v.l.n.r.): LAbg. Bgm. Gerhard Schödinger, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Präsident Thomas Knoll (Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur) präsentierten Neuigkeiten zum „Grünen Ring“
(v.l.n.r.): LAbg. Bgm. Gerhard Schödinger, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Präsident Thomas Knoll (Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur) präsentierten Neuigkeiten zum „Grünen Ring“ (Bildquelle: NLK Reinberger)

Vor zwei Jahren wurde das niederösterreichische Regionalplanungsprojekt „Grüner Ring“ um Wien gestartet. Damit soll die Siedlungsentwicklung in der gesamten Ostregion gesteuert und Ackerflächen und Grünräume gesichert werden. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf gab am heutigen Donnerstag gemeinsam mit Landtagsabgeordnetem Gerhard Schödinger und Thomas Knoll, dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur weitere Maßnahmen und die Erweiterung des Grünen Rings auf den gesamten Bezirk Bruck an der Leitha im Zuge einer Pressekonferenz bekannt. Dazu sollen die 33 Gemeinden an einem Strang ziehen und die Raumordnung in ihrem Bezirk gemeinschaftlich auf neue Beine stellen.

Vor zwei Jahren habe man mit dem „Grünen Ring“ ein historisches Projekt gestartet, eröffnete LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und verwies damit auf die gute Entwicklung der Raumplanung des Landes und die Zusammenarbeit über Gemeinde- und Ländergrenzen hinweg. „Es geht um die Sicherung von Natur- und Grünräumen und den Schutz unserer Äcker und Wälder. Es geht auch um den Erhalt des Charakters unserer Ortschaften und des Gesichts unserer Heimat“, unterstrich Pernkopf. Viele verschiedene Leitprojekte sollen ineinandergreifen und sich zu einem „Grünen Ring“, und damit zum größten Regionalplanungsprojekt Niederösterreichs ergänzen. „Kern sind sogenannte regionale Leitplanungen. Dabei geht es um den Entwurf einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie für die Region mit klar abgestimmten Eckpfeilern die sich mit der Siedlungsentwicklung, Betriebsansiedlungen, aber auch ganz klaren Siedlungsgrenzen beschäftigt“, ergänzte der LH-Stellvertreter.

Ziel sei es, den Grünen Ring rund um Wien zu schließen und das Projekt in der gesamten Region östlich von Wien bis zur slowakischen Hauptstadt Bratislava auszuweiten. „Klar ist, der Druck in der gesamten Region ist enorm, die Bevölkerung im Bezirk Bruck an der Leitha wuchs in den letzten 10 Jahren um 13 Prozent. Ungeordnet würde das zu Verbauung, Zersiedelung und Verlust von Acker- und Grünflächen führen. Deswegen wollen wir gemeinsam Schwerpunkte definieren, wo eine Entwicklung möglich ist, und wo ganz klar die Priorität auf die Sicherung der Acker- und Grünflächen setzen“, so der LH-Stellvertreter.

Grüner Ring <small>(Grafik: zVg.)</small>
Grüner Ring (Grafik: zVg.)

Zwei dieser Leitplanungen wurden bereits gestartet, heute starte die nächste große Leitplanung, nämlich im Bezirk Bruck an der Leitha. Dabei gehe es um Schwerpunktsetzungen innerhalb der Regionen mit geschützten Agrarflächen und vernetzten Grünräumen. Und es gehe um Partnerschaft statt Konkurrenz zwischen den Gemeinden. „Wir brauchen sinnvolle Lösungen“, brachte es Pernkopf auf den Punkt. Noch im November werden die Arbeiten dafür starten, Ergebnisse werden bereits im Laufe des nächsten Jahres erwartet. „Zusätzlich zu den Leitplanungen haben wir viele verschiedene Leitprojekte umgesetzt. Wir haben das NÖ Grundverkehrsgesetz verschärft, die Pflegezonen-Verordnung im Biosphärenpark Wienerwald novelliert und es wurden noch nie so viel für Gewässer-Renaturierungen gemacht, speziell an der Donau, der Fischa und der Leitha“, führte Pernkopf einige Beispiele an. Mit dem NÖ Bodenschutzpaket sei im Oktober zudem eine große Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes beschlossen worden.

Landtagsabgeordneter Bürgermeister Gerhard Schödinger betonte, dass „der Bezirk Bruck/Leitha vor einer einzigartigen Herausforderung steht. Der Druck kommt von zwei Seiten: Aus Wien und Bratislava.“ Durch große Investitionen in den Ballungsräumen steige laut dem Abgeordneten der Siedlungsdruck und der Druck von Investoren. „Deshalb ist es wichtig, dass es ein überregionales Konzept gibt, an dem sich die einzelnen Gemeinden anhalten können. Denn die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden ist notwendig, um eine abgestimmte Raumordnung zu haben. Ich halte es für ein zukunftsweisendes Projekt. Und auch die Bevölkerung ist dankbar, wenn es klare Vorgaben gibt“, so Schödinger.

Thomas Knoll, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur, merkte an, dass die Bedeutung der Landschaft in den letzten Jahrzehnten an großer Bedeutung gewonnen habe. Es sei daher wichtig, dass grüne Infrastruktur weiterhin geschützt werde. „Wir haben in Niederösterreich die Situation, dass große Grünräume vorhanden sind“, unterstrich Knoll. Das Land Niederösterreich habe sich aber für den Schutz der Grünräume entschieden. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hätte gezeigt, welchen Stellenwert Grünraume und Erholungsgebiete haben. „Wenn ich Wachstum und Urbanisierung steuern will, muss ich was tun“, ergänzte Knoll und verwies auf die Bedeutung gemeinsamer Raumplanung. Er erkenne zudem einen Paradigmenwechsel: „Nun wird vom Grünland auf das Bauland geschaut, ob eine Entwicklung möglich ist. Das war vor Jahren anders. Man muss auch Betriebs- und Gewerbegebiete losgelöst von Gemeindegrenzen überregional betrachten“, so sein Appell.