Experten und Expertinnen sind sich einig: Tätigkeiten, die ständig mit einem kurzen Sehabstand und ohne natürliches Licht erfolgen, wirken sich negativ auf die Augen und deren Sehkraft aus. Letztlich kann diese kontinuierliche Beanspruchung zur Kurzsichtigkeit führen. Kinder sind laut aktuellen Studien – vor allem wegen des in der Schul- bzw. Lernzeit ständigen Schauens auf kurze Distanz – besonders häufig davon betroffen. Durch die verstärkte Nutzung von Smartphone & Co. in der Freizeit kann sich das Auge kaum mehr regenerieren. Die Empfehlung lautet daher: Raus in die Natur! Es gilt, Tageslicht zu tanken und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.
Seit einigen Jahren ist weltweit ein signifikanter Anstieg der Kurzsichtigkeit zu beobachten.
Waren im Jahr 2000 rund 22 Prozent der Weltbevölkerung kurzsichtig, wird 2050 die Hälfte
davon betroffen sein. Allein in Europa sind bereits jetzt 45 Prozent der 25- bis 30-Jährigen
kurzsichtig. Präventive Maßnahmen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, diese
Entwicklung einzudämmen.
Von Kurzsichtigkeit (Myopie) spricht man, wenn Objekte in der Ferne nicht mehr scharf
wahrgenommen werden können. Neben erblichen Faktoren kommen als Ursachen auch
Umwelteinflüsse zu tragen. „Fachlich gesehen bedeutet die Myopie ein Missverhältnis
zwischen der Brechkraft des Auges und der Länge des Augapfels“, erklärt
Prim. Dr. Felix Buder, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie am
Landes-Krankenhaus Steyr. „Der Grund dafür ist ein zu starkes Längenwachstum des
Augapfels im Kindes- und Jugendalter. Zurückzuführen ist dies auf das ständige, konzentrierte Schauen auf kurzen Distanzen, was durch die Verwendung von Smartphones und Bildschirmen aller Art ständig zunimmt. Da sich gerade in diesem Alter das Auge in einer sensiblen Wachstumsphase befindet, haben Kinder ein erhöhtes Risiko eine Myopie zu
entwickeln.“
Präventive Maßnahmen
Um eine Kurzsichtigkeit frühzeitig zu diagnostizieren, rät Primar Buder zu regelmäßigen
Vorsorgeuntersuchungen. „Eine Myopie an sich kann mit Brillen, Kontaktlinsen oder dem
Laser ausgeglichen werden. Auch das Verwenden von speziellen Augentropfen mit dem
Wirkstoff Atropin kann hilfreich sein.“
Jüngste Forschungen konzentrieren sich auf den Zusammenhang zwischen Spielen in der
freien Natur und normaler Sehstärke. „Man weiß, dass Kinder, die sich viel im Freien aufhalten, weniger oft an Kurzsichtigkeit leiden als sogenannte ‚Stubenhocker‘“, erläutert der Primar. „Dabei spielt das Sonnenlicht und in diesem Zusammenhang der Neurotransmitter Dopamin, der an der Regulation des Augenwachstums beteiligt ist, eine positive Rolle. Je mehr Licht vorhanden ist, desto mehr Dopamin wird produziert.“ Studien zeigen, dass auch Kinder mit einer genetischen Veranlagung für Kurzsichtigkeit, das Risiko daran zu erkranken mit häufigem Aufenthalt in der Natur stark reduzieren können.
Nicht zuletzt wegen der möglichen Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung,
Makuladegeneration, Star-Erkrankungen und schlimmstenfalls Erblindung ruft die
Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung der Myopie auf.

