Mittwoch, 18. Februar 2026

Verlässlich, kompetent, unkompliziert…

Jahresbilanz der Schuldnerberatung Niederösterreich präsentiert

LR Teschl-Hofmeister / LR Prischl: „Schuldnerberatung gibt Betroffenen Perspektiven und wirtschaftliche Unterstützung.“

„Knapp 4.000 Personen haben die Schuldnerberatung in Anspruch genommen, 59 Prozent davon waren männlich, 41 Prozent waren weiblich. Die größte Gruppe, die die Schuldnerberatung aufsucht, ist im mittleren Alter, also zwischen 41 und 45“, berichtete die Landesrätin. Einer der positiven Punkte sei, dass die Durchschnittsverschuldung um rund 9.000 Euro geringer sei als im Jahr davor: „Sie liegt bei 77.386,85 Euro.“ Der Anteil der Kundinnen und Kunden unter 25 Jahren lag bei etwa sechs Prozent, erläuterte Teschl-Hofmeister: „Das ist gar nicht so schlecht, schlecht ist allerdings, dass die Durchschnittsverschuldung mit 29.780 Euro einen Höchstwert im langjährigen Vergleich darstellt.“ Deshalb sei es besonders wichtig, die Finanzkompetenz der jungen Menschen zu stärken, man habe etwa die Förderungen für den Finanzführerschein von 2024 auf 2025 verdoppelt, und es gebe das Programm „Frauen und Finanzen – Reden wir über Geld“, damit gerade Frauen mehr Finanzkompetenz entwickeln. Außerdem forderte die Jugend-Landesrätin vom Bund, mehr Finanz- und Wirtschaftskompetenz in die Lehrpläne einzubauen.

Der Weg in die Schulden sei oft schleichend, sagte Landesrätin Eva Prischl: „Die Jahresbilanz der Schuldnerberatung Niederösterreich zeigt deutlich, wie wichtig die professionelle, niederschwellige und kostenlose Beratung für die Menschen ist.“ Arbeitsplatzverlust, Krankheit, unbedachtes Konsumverhalten, Ratenzahlungen und exzessives Onlineshopping oder die Unterschätzung der laufenden Fixkosten würden relativ oft in die Zahlungsunfähigkeit führen: „Arbeitsplatz- und Einkommensverlust führen mit rund 42 Prozent, bei Jugendlichen sogar mit 46 Prozent die Statistik an“, erklärte Prischl. Das Konsumverhalten sei der Verschuldungsgrund für 22 Prozent in der Statistik, „bei Jugendlichen sogar der zweithäufigste Grund mit 32 Prozent.“ Die Verschuldung führe oft zu physischen und psychischen Erkrankungen, so die Landesrätin: „Der dauerhafte finanzielle Druck führt bei den Menschen zu Stress, Angstzuständen, Depressionen, Schlafstörungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen. Studien zeigen, dass etwa acht von zehn Personen durch Überschuldung krank werden.“

Die Schuldnerberatung leiste hier unverzichtbare Arbeit: „Sie bietet rechtliche und wirtschaftliche Unterstützung und gibt vor allem auch eine Perspektive. Die Durchschnittsverschuldung liegt bei Männern bei circa 87.692 Euro, bei Frauen bei 62.767 Euro. Die jüngste Person, die beraten wurde, war nur 18 Jahre alt, die älteste 89 Jahre alt“, zählte Prischl auf. „Die Jahresbilanz macht deutlich, dass insbesondere einkommensschwache Haushalte von Verschuldung betroffen sind.“ Das geringere Einkommen mache es schwierig, nachhaltig aus den Schulden zu kommen. Ein besonders wichtiges Angebot sei für die Landesrätin das Betreuungskonto: „Die Schuldnerberater greifen hier unter die Arme, um die Finanzen zu strukturieren und laufende Verpflichtungen wie Miete, Energie et cetera verlässlich zu erfüllen. 6,35 Prozent mehr Konten wurden durch die Schuldnerberatung betreut.“

Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Niederösterreich bilanzierte: „Im Jahr 2025 waren an unseren fünf Standorten 41 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, 22 davon als Schuldnerberaterinnen und Schuldnerberater, in Vollzeitäquivalenten sind das 18,57 Beraterinnen und Berater, die im Schnitt 485 Klientinnen und Klienten 2025 betreut haben.“ In fast allen Bereichen seien die Beratungen zwar leicht gesunken, „die Fälle werden aber komplizierter und aufwendiger“, so Lackenberger. „Das kann man daran erkennen, dass die Anzahl der von uns durchgeführten Interventionen mit 36.218 einen neuen Rekord erreicht hat.“ Die Zahl der betreuten Personen sei auf 9.023 gesunken, durch die aufwendigere Tätigkeit habe man etwa in Hollabrunn und Wiener Neustadt aktuell die Kapazitätsgrenzen erreicht.

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