Tulln: 2021 ist Baubeginn für das reale Haus der Digitalisierung

Tulln: 2021 ist Baubeginn für Haus der Digitalisierung
(v.l.n.r.): Aufsichtsratsvorsitzender FH Wiener Neustadt Klaus Schneeberger, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesrat Jochen Danninger bei der Pressekonferenz in Tulln (Bildquelle: NLK/Ernst Reinberger)

Bei einer Pressekonferenz in Tulln stellte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gemeinsam mit Landesrat Jochen Danninger, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Fachhochschule Wiener Neustadt, Klaus Schneeberger und Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk das reale Haus der Digitalisierung vor. Baubeginn ist 2021, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2023 geplant.

„Die letzten Wochen und Monate haben uns gefordert und unser Leben auf den Kopf gestellt. Die letzten Monate haben aber vor allem die Digitalisierung beschleunigt“, unterstrich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Wichtigkeit der Digitalisierung. Denn: „Digitale Kommunikationsformen und regionale Online-Shops haben aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen einen wahren Boom erlebt“, so Mikl-Leitner. Diese Herausforderungen hätten letztlich den Weg bestärkt, die Digitalisierungsmaßnahmen weiterhin rasch, flächendeckend und nachhaltig umzusetzen „Diesen Weg verfolgen wir nicht erst seit gestern. Mit konkreten Maßnahmen, sind wir seit einigen Jahren aktiv, wie etwa dem Programm Wirtschaft 4.0 zur Unterstützung unserer Betriebe oder der Schaffung einer eigenen Landes-Geschäftsstelle im Jahr 2017 im Wirtschaftsresort, die alle Maßnahmen zur Digitalisierung bündelt und koordiniert, bis hin zum Glasfaser-Infrastruktur-‚Modell Niederösterreich‘, welches einen schnellen Internet-Anschluss für Niederösterreich sicherstellen soll und darüber hinaus seitens der Europäischen Union ausgezeichnet wurde“, sagte sie, und ergänzte: „All diese Schritte haben uns in der Covid-Krise geholfen.“

Home-Office und Home-Schooling hätten im Großen und Ganzen gut funktioniert, und innerhalb weniger Wochen konnten Initiativen umgesetzt werden, um Unternehmen und Konsumenten besser zu vernetzen. Die Landeshauptfrau dazu: „Ich denke dabei auch an die Plattformen ‚Mein Schaufenster‘ und ‚Niederösterreich wird Nahversorgt‘.“

Den letzten Schritt habe man im Juni 2020 mit dem Programm „digi4KMU“ gesetzt, welches einen Fördertopf von zehn Millionen Euro für KMUs bereithalte und Unternehmen mit bis zu 53.300 Euro im Rahmen von Digitalisierungsprojekten unterstütze. Mikl-Leitner dazu: „Bis jetzt sind bereits 100 Anträge von Betrieben eingebracht worden.“

Man wisse aber auch, dass die Digitalisierung vor allem auch den Menschen, die dem Thema ferner sind, Sorgen bereite. „Umso eher müssen wir informieren, welche Chancen und Vorteile sie für jeden Einzelnen mit sich bringt. Denn klar ist, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Insofern kommt dem Haus der Digitalisierung eine ganz wesentliche Rolle zu. Das reale Haus der Digitalisierung, das ab 2021 hier am Campus Tulln entsteht, soll ein Leuchtturmprojekt und Aushängeschild Niederösterreichs werden“, so die Landeshauptfrau. Es solle einerseits ein offenes Haus für die Wirtschaft, Wissenschaft, Unternehmen und für die Bevölkerung von Jung bis Alt und klein bis groß werden. Andererseits aber auch ein Ort des Lernens und Verstehens sowie des Tuns, Forschens und Wirtschaftens sein. „Mit anderen Worten errichten wir einen multifunktionalen Start up-Hub mit Ausstellungsfunktion, ausreichend Platz für alle Bedürfnisse und jährlichen Ausstellungsschwerpunkten. Natürlich wird es darüber hinaus auch Veranstaltungsräume sowie Gastronomie geben, um den persönlichen Kontakt nicht zu kurz kommen zu lassen“, unterstrich die Landeshauptfrau. Damit stelle man genügend Platz für Lehre, Forschung und Wirtschaft zur Verfügung, den nicht zuletzt auch die FH Wiener Neustadt nutzen wird können. „Wir erschaffen hiermit einen weiteren Meilenstein, was den Aufbau und die Weiterentwicklung des Hauses der Digitalisierung betrifft und der auf drei Phasen fußt: Zum Ersten gibt es bereits das Digitale Netzwerk der Knotenpunkte St. Pölten, Krems, Wieselburg, Tulln, Klosterneuburg und Wiener Neustadt, das Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft vernetzt. Zum Zweiten die Schaffung des virtuellen Hauses der Digitalisierung. Und jetzt setzen wir den dritten Schritt, indem wir das reale Haus der Digitalisierung schaffen“, so Mikl-Leitner.

Landesrat Jochen Danninger verwies auf eine aktuelle Studie, die unterstreiche, dass jene Bereiche der Wirtschaft die stärker digitalisiert sind, besser durch die Krise kommen würden als andere. Daher sei dieses Projekt aktuell wichtiger denn je. „Die Digitalisierung unserer Wirtschaft ist das oberste Gebot dieser Krise. Mit dem realen Haus der Digitalisierung setzen wir den nächsten Meilenstein auf unserem Weg zum Digitalisierungsland.“ Man plane einen Neubau mit rund 4.200 Quadratmetern Fläche am Campus Tulln. Das neue Gebäude umfasse einen Eingangsbereich inklusive Infopoint, die Erweiterung der Fachhochschule Wiener Neustadt, einen Gastronomie-Bereich, Büroeinheiten für Mieter, Inkubatorflächen für Startups und Gründer und als Herzstück einen Showroom.

Danninger dazu: „Der Zeitplan ist ambitioniert: Im Dezember 2019 hat der niederösterreichische Landtag mit 33,5 Millionen Euro das finanzielle Fundament für dieses Mammut-Projekt gelegt. In den vergangenen Monaten wurde ein EU-weites Verfahren durchgeführt. Dabei erhielt die ARGE Vasko + Partner, Architekt Kronaus, Architekt Gallister und Architekt Mitterer den Zuschlag für die Generalplaner-Leistungen. Der Baubescheid wird noch im Laufe des Jahres 2020 erwartet. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2021 vorgesehen. Die Fertigstellung ist mit dem Frühjahr 2023 terminisiert.“

Mit dem Haus der Digitalisierung wolle man alle Niederösterreicher und Interessierte über die Landesgrenzen hinaus ansprechen. Es solle den Mehrwert der Digitalisierung für Menschen und Unternehmen in den unterschiedlichsten Bereichen in den Vordergrund stellen. „Wir wollen für jeden Einzelnen die Digitalisierung spannend erklären und Erfolgsbeispiele aus Niederösterreich vor den Vorhang holen. Und besonders für unsere kleinen und mittelständischen Betriebe wollen wir eine Anlaufstelle sein, eine Plattform bieten, sie inspirieren und zum Nachahmen anregen. Und wir wollen Betriebe auf den Weg in die Digitalisierung beraten und im Netzwerk begleiten, Unternehmen mit „Leading Companies“ zusammenführen und neue Kooperationen anstoßen“, so der Wirtschaftslandesrat. Aber auch für Besucher werde einiges geboten. Jährlich wechselnde Ausstellungsthemen sollen mit verschiedenen Schwerpunkten beleuchtet werden. Darüber hinaus ende das Projekt nicht an der „Campus-Grenze“ in Tulln, sondern wird auch von den Knotenpunkten in St. Pölten, Krems, Wieselburg, Tulln, Klosterneuburg und Wiener Neustadt aufgegriffen.

Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk betonte die gute Partnerschaft zwischen dem Land Niederösterreich und seiner Stadtgemeinde. Er unterstrich zudem: „Das Haus der Digitalisierung soll ein offenes Haus für Niederösterreich und die Bevölkerung Tullns, Studierende und digitalaffine Menschen sein.“ Es handle sich um ein historisches Projekt für die Stadt Tulln, zumal sich die Gemeinde bereits als Gartenhauptstadt, Messestadt, Vorzeigegemeinde im Klima- und Umweltschutz einen Namen gemacht habe.

Klaus Schneeberger, Aufsichtsratsvorsitzender der Fachhochschule Wiener Neustadt sagte, dass das Haus der Digitalisierung als Tor zum Campus Tulln Technopol Lehre, Forschung, Wirtschaft und Bevölkerung miteinander verbinden wolle: „Schon vor zwei Jahren hat die FH Wiener Neustadt mit dem berufsbegleitenden Studium „‘Bio Date Science‘ begonnen die Brücke von der Biotechnologie zur Digitalisierung zu schlagen. Mit der Erweiterung im Haus der Digitalisierung kann die FH diesen Schwerpunkt verstärken und die Standortqualität für die Studierenden maßgeblich verbessern. Anstelle der bisherigen Container ist eine Verbesserung bei Hörsälen, Seminarräumen und Büros gewährleistet.“