So sahen ältere Menschen in Niederösterreich den Lockdown

(v.l.n.r.): Landesrat Martin Eichtinger, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Prof. Franz Kolland bei der Präsentation der Studie „Covid-19 und Social Distancing im Alter“ (Bildquelle: Thomas Resch)

Kein erhöhtes Einsamkeitsrisiko bei Senioren während der letzten Monate

Die Ausbreitung des Corona-Virus und die mit der Pandemie einhergehenden Maßnahmen haben für die Sozialbeziehungen vieler Menschen Veränderungen bedeutet. Besonders für die ältere Bevölkerung bergen Kontakteinschränkungen verschiedenste Risiken, sowohl in sozialer und kognitiver, aber auch versorgungsbezogener und emotionaler Hinsicht. Welche Auswirkungen das Social Distancing für die ältere Generation genau bedeutet, hat Univ. Prof. Franz Kolland vom Kompetenzzentrum Gerontologie der Karl Landsteiner Universität in Krems, im Auftrag des Landes Niederösterreich, untersucht. Dabei wurden 521 Menschen, die 60 Jahre oder älter sind, im April und Mai 2020 per Telefon befragt. Gemeinsam mit den beiden zuständigen Regierungsmitgliedern Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Landesrat Martin Eichtinger wurden heute die Ergebnisse der Untersuchung im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten vorgestellt.

„Vordergründig wollten wir mit dieser Studie das subjektive Empfinden der Generation 60+ abfragen. Dabei war es uns wichtig zu erfahren, wie sich ältere Menschen in den letzten Monaten gefühlt haben, welche Strategien sie entwickelt haben, um am sozialen Leben teilzunehmen, wie sie es geschafft haben, in Bewegung zu bleiben und die Distanz zu ihren Familien und Freunden zu überwinden“, erklärten Landesrätin Teschl-Hofmeister und Landesrat Eichtinger. Die Befragung zeigte, dass sich im Besonderen die Gruppe 80+ selbst zur Risikogruppe zählt – 92% der Befragten sehen das so. Bei den 60-79jährigen sind es immerhin 65%. Die Vorgaben für ältere Menschen wurden häufig als Bevormundung dargestellt, diese Sichtweise hat die Befragung nicht bestätigt. Denn 63% der Befragten fühlen sich nicht bevormundet, sondern durch ein gesellschaftliches Netzwerk (87%) bzw. durch ein verwandtschaftliches Netzwerk geschützt (83%). „Dies ist ein Zeichen dafür, wie wichtig die Familie und ein gut funktionierendes öffentliches Engagement für ältere Menschen sind, um in Krisenzeiten aufgefangen zu werden,“ erklärte Teschl-Hofmeister.

Auch Social Distancing war bzw. ist ein wichtiges Thema. Die Mehrheit der älteren Menschen steht dem positiv gegenüber. Problematisch sind aber die damit einhergehenden Auswirkungen auf den Alltag – so wird weniger Bewegung betrieben, obwohl diese im Alter besonders wichtig ist. „Bei etwas über der Hälfte der Befragten hat sich das Bewegungsniveau nach eigenen Angaben seit der Krise reduziert. Keine Bewegung bedeutet Rückschritt für Körper und Geist. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Lebensjahre in Gesundheit zu steigern und Gesundheitsvorsorge im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Wir werden daher das Angebot an Bewegungsprogrammen für Seniorinnen und Senioren noch weiter ausbauen und verstärkt anbieten“, hält dazu Landesrat Eichtinger fest.

Auch die veränderte Kommunikation, weg vom persönlichen Treffen, hin zum virtuellen Gespräch ist für viele nicht einfach. Knapp 80% der Befragten haben wenig Akzeptanz für die Nutzung neuer Medien. Freiwilligenkultur und das Ehrenamt leiden stark unter der Vorgabe des Social Distancing – 60% der vor der Corona-Pandemie ehrenamtlich aktiven SeniorInnen mussten ihre Tätigkeit einstellen. „Es muss uns gelingen, diese Gruppe wieder zu aktivieren. Denn dieser wertvolle gesellschaftliche Beitrag stärkt die Produktivität der älteren Menschen und wirkt der Vereinsamung entgegen,“ warnen die Regierungsmitglieder. Allerdings bestätigt die Studie nicht, dass es ein erhöhtes Einsamkeitsrisiko unter Covid-19 gibt.

Um Phasen mit CoVid-19 bedingten Einschränkungen gut und unbeschadet zu überstehen, sind drei Punkte wesentlich. Zum einen braucht es Bewältigungsstrategien. Eine große Rolle spielen dabei Familie und Freunde. Diesen Zusammenhalt gilt es zu stärken – ein Zeichen kann mit dem NÖ Familienpass gesetzt werden. Damit können Kinder mit ihren Eltern, Großeltern oder auch Tanten und Onkeln viele Angebote gemeinsam genießen. Aber genauso hilfreich für die Überbrückung herausfordernder Zeiten sind handwerkliche Tätigkeiten, Sport und Bewegung oder auch die Nachbarschaftshilfe. „Gemeinsam mit den NÖ Senioren und dem NÖ Pensionistenverband rufen wir aktuell die Initiative „Generation 55+ Aktiv in Besonderen Zeiten“ ins Leben. Auf einer Plattform im Rahmen der Initiative „Mittendrin im Leben“ wird es den NÖ SeniorInnen in Kürze möglich sein, ihre ganz individuellen Tipps, Geschichten, Anregungen und Methoden hochzuladen und so für andere motivierend zu wirken,“ erklärte Teschl-Hofmeister.

Ein zweiter Punkt ist die Digitalisierung. Hier gibt es einige Aktivitäten der Seniorenorganisationen, die älteren Menschen auf niederschwelliger Basis die digitale Welt näherbringen. Erwähnenswert ist die „Handy Sommerschule“ die SeniorInnen bei der Nutzung von Smartphones hilft. Der dritte wesentliche Punkt ist das Ehrenamt und die Nachbarschaftshilfe. „Ich appelliere an alle, die ehrenamtlich tätig waren und vorübergehend ihre Aufgabe nicht wahrnehmen können – bitte bleiben Sie am Ball und stützen diese wichtige Säule unseres sozialen Zusammenhalts auch in Zukunft. Achten Sie dabei auf Ihre Gesundheit und die Gesundheit anderer – mit Abstand können Sie am meisten helfen, so die Landesrätin abschließend.