Aktuelle Lehrlingsstudie präsentiert

(v.l.n.r.): Landesrat Martin Eichtinger, IV NÖ-Präsident Thomas Salzer, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser und AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich (Bildquelle: NLK/Ernst Reinberger)

Das Land Niederösterreich und die niederösterreichischen Sozialpartner haben eine Umfrage zur Situation der Lehrstellen und der Ausbildungsbetriebe in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Umfrage, durchgeführt vom Institut Peter Hajek Public Opinion, sowie Schlüsse daraus, wurden heute bei einer Pressekonferenz im WIFI St. Pölten präsentiert. Dabei informierten Landesrat Martin Eichtinger, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, IV NÖ-Präsident Thomas Salzer, AKNÖ-Präsident Markus Wieser, AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich und Studienautor Peter Hajek.

„In den vergangenen zwei Jahren hat es am niederösterreichischen Arbeitsmarkt sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Beschäftigungszahlen gegeben. Im März 2020 hat sich die Situation dramatisch verändert. Die Wirtschaft braucht in Zukunft weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte“, so der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Eichtinger. „Ende Mai ist die Arbeitslosigkeit in allen Bezirken Niederösterreichs wieder zurückgegangen. In Horn, Krems und in Zwettl sogar um 20 Prozent“, hielt er fest.

Das Land Niederösterreich unterstütze Betriebe und Lehrlinge mit gezielten Fördermaßnahmen und der Lehrlingsoffensive, meinte der Landesrat. „Aktuell können sich Lehrlinge einen Lehrlingsbonus von 120 Euro monatlich abholen. Auch Betriebe erhalten drei Monate lang Einstellungsbeihilfen von bis zu 500 Euro, um junge Fachkräfte aufzunehmen. Gleichzeitig legt die niederösterreichische Lehrlingsoffensive, die 7.000 Ausbildungsplätze und 46 Millionen Euro umfasst, einen Fokus auf die Ausbildung von jungen Menschen“, so Eichtinger.

Die Umfrage unter 600 Lehrbetrieben zeigt, dass aufgrund der Corona-Krise in Niederösterreich diesen Herbst um 800 Lehrstellen weniger angeboten werden. Rund 34 Prozent der befragten Unternehmen versicherten, in diesem Herbst Lehrlinge ganz sicher aufzunehmen, 38 Prozent sind sich ganz sicher, keine Lehrlinge aufzunehmen. 23 Prozent der Betriebe sind unentschlossen. „Im Durchschnitt werden zwei Lehrlinge pro Unternehmen aufgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr stehen aus heutiger Sicht um 15 Prozent weniger Lehrstellen zur Verfügung. Viel wird davon abhängen, wie sich die wirtschaftliche Stimmung im Sommer entwickelt“, erklärte Peter Hajek.

22 Prozent der Unternehmen gaben an, dass finanzielle Unterstützung ein Anreiz für die Aufnahmen von Lehrlingen wäre. „Das zeigt uns deutlich, Förderungen sind nicht das alleinige Mittel, aber mit Sicherheit ein Ansporn“, so Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich. „Gerade vor dem Hintergrund, dass Lehrlinge unsere Fachkräfte von morgen sind, müssen wir in Niederösterreich für die Lehre gezielte Angebote schnüren. Zum Beispiel könnten Ausbildungsverbünde eine Chance sein“, meinte Ecker.

In der Industrie in Niederösterreich gibt es mehr als 200 Ausbildungsbetriebe mit über 2.400 Lehrlingen. „Da die Mehrheit der Industriebetriebe in der Corona-Krise weiterproduziert haben, sind sie die Lehrstellen dort besonders krisenfest. Bereits im April haben 78 Prozent der Industriebetriebe, die Lehrlinge ausbilden, angegeben, dass sie im Herbst genauso viele Lehrlinge aufnehmen wollen wie geplant“, so Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich. Allerdings hatten die Unternehmen schon vor der Krise mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. „Alle Lehrstellen, die jetzt unbesetzt bleiben, verschärfen in drei Jahren den Fachkräftemangel. Jugendliche, die aktuell auf Lehrstellensuche sind, haben nach wie vor gute Chancen, einen Ausbildungsplatz in der Industrie zu bekommen. Auf sie warten überdurchschnittliche Verdienstchancen und vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten“, meinte Salzer.

„Es braucht ein Auffangnetz für Jugendliche, die aufgrund der Corona-Krise arbeitslos geworden sind oder keine Lehrstelle finden“, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser. „Die zentrale Maßnahme dabei ist ein Ausbau der überbetrieblichen Ausbildung, um so vielen jungen Menschen wie möglich eine qualifizierte Berufsausbildung zu ermöglichen. Denn eines ist klar: Wenn diese Krise vollständig überwunden ist, werden die Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte benötigen, um wieder durchstarten zu können. Bisher wurden fast 24.000 Jugendliche in Niederösterreich in der überbetrieblichen Ausbildung ausgebildet, die Erfolgsquote bei den Lehrabschlussprüfungen lag bei 96 Prozent“, betonte Wieser.

AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich führte aus: „Die Situation am Arbeitsmarkt für Jugendliche und Lehrstellensuchende ist dramatisch. Mit Stand Ende Mai sind beim Arbeitsmarktservice 1.308 Lehrstellensuchende vorgemerkt. Demgegenüber stehen 664 offene Lehrstellen,“ analysierte Hergovich die Lage, der auch betonte: „Alle Partner am Arbeitsmarkt sind gefordert, der jungen Generation Perspektiven zu bieten. Die enge Zusammenarbeit von Land, Sozialpartnern und Arbeitsmarktservice ist wichtiger denn je und die Grundlage dafür, dass kein Jugendlicher in Niederösterreich ohne Lehrplatz oder Ausbildungsplatz bleibt.“