Zwazl warnt vor katastrophalen Folgen durch Hard Brexit

Über 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie folgten der Einladung ins Palais Niederösterreich in Wien (Bildquelle: Andreas Kraus)
Über 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie folgten der Einladung ins Palais Niederösterreich in Wien (Bildquelle: Andreas Kraus)

Traditioneller Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Niederösterreich

Eine deutliche Warnung vor einem harten Brexit sowie ein Plädoyer für das niederösterreichische Unternehmertum stellte Sonja Zwazl, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), ins Zentrum ihrer Grundsatzrede beim traditionellen WKNÖ-Neujahrsempfang im Palais Niederösterreich in Wien. Ein vertragsloser Ausstieg Großbritanniens aus der EU würde Niederösterreich zwar nicht so schwer treffen wie andere Bundesländer, immerhin liege das United Kingdom mit einem Warenexportvolumen von 477 Millionen Euro aber an 11. Stelle der niederösterreichischen Auslandsmärkte. 15 Prozent des gesamteuropäischen Bruttoinlandsprodukts gingen auf das Konto von Großbritannien. „Ich hoffe inständig, dass am Ende doch noch die Vernunft siegt“, so Zwazl. „Ein Hard Brexit würde die verbleibende EU schwächen und hätte für Großbritannien katastrophale Folgen.“

„Sozialpartnerschaft einzigartiger Konfliktlösungsmechanismus“

Zugleich erinnerte die WKNÖ-Präsidentin an die Leistungen der mittlerweile über 100.000 niederösterreichischen Unternehmerinnen und Unternehmer. Niederösterreichs Wirtschaft gebe 450.000 Menschen Arbeit, zähle mit einem Wachstum von drei Prozent zu den tragenden Säulen des Wirtschaftsstandorts Österreich. „Unternehmertum ist eine Sache von Ideen, von Herzblut und von Risikobereitschaft. Setzen wir gemeinsam alles dran, dass sich dieses Unternehmertum in Niederösterreich weiter entfalten kann“, so Zwazl. Im vergangenen Jahr sei diesbezüglich einiges gelungen – von der Arbeitszeitflexibilisierung zur Gleichstellung des Meisters mit dem akademischen Bachelor im Nationalen Qualifikationsrahmen, von der höheren Forschungsprämie bis zum Standortanwalt, der im UVP-Verfahren für Chancengleichheit sorgen soll. Besonders strich Zwazl überdies die gut funktionierende Sozialpartnerschaft in Niederösterreich hervor, die von gegenseitiger Wertschätzung, auch bei kontroversen Themen, geprägt sei. „Die Ereignisse rund um uns in der Welt führen uns tagtäglich vor Augen, wie froh wir sein können, einen solchen einzigartigen Konfliktlösungsmechanismus zu haben, wie es die Sozialpartnerschaft ist.“

LH Mikl-Leitner unterstreicht Niederösterreichs Digitalisierungsgrad

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erinnerte in Bezug auf die Bekämpfung des Fachkräftemangels an die mit 46 Millionen Euro dotierte, „größtangelegte Jugendoffensive, die es jemals gab“ zur Ausbildung von jungen Menschen bis 25 Jahre. Die Frage, wie sie den Digitalisierungsgrad Niederösterreichs auf einer Skala von 1 bis 10 (Höchstwert) einschätzen würde, beantwortete Mikl-Leitner mit 8. „Wir sind noch lange nicht fertig, aber im Vergleich mit anderen Ländern vorne mit dabei.“ So würden 50% der Wirtschaftsförderungen online abgewickelt, im Tourismusbereich sogar 80 Prozent.

Wechsel bei WKNÖ-Direktor: Schedlbauer übernimmt von Wiedersich

Im Zuge des WKNÖ-Neujahrsempfangs offiziell verabschiedet wurde der in den Ruhestand tretende WKNÖ-Direktor Franz Wiedersich, der genau um Mitternacht nach 18 Jahren sein Amt an seinen Nachfolger Johannes Schedlbauer übergab. Zwazl strich in ihrer Würdigung Wiedersichs starke Rolle als „juristisches Fangnetz“ hervor. Landeshauptfrau Mikl-Leitner würdigte ihn als „einen Sozialpartner, wie er im Buche steht“.

Ebenfalls beim WKNÖ-Neujahrsempfang gesichtet wurden unter anderem LH-Stv. Franz Schnabl sowie die Landesregierungsmitglieder Petra Bohuslav, Christiane Teschl-Hofmeister und Martin Eichtinger, der 2. LT-Präsident Gerhard Karner, die NR-Abgeordneten Carmen Jeitler-Cincelli, Michaela Steinacker und Christian Höbart, Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf, der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck, sowie sie niederösterreichischen Sozialpartner-Präsidenten Markus Wieser (AK) und Johannes Schmuckenschlager (Landwirtschaftskammer).