Sonderausstellungen auf der internationalen Oldtimer Messe Tulln

Sonderausstellungen auf der internationalen Oldtimermesse Tulln
Mini (Bildquelle: Patrik Moderer)

Vom „Puch-Wimmerl“ über die „fahrende Wellblechhütte“ hin zur „Göttin DS“ (beide Citroen)

Wie in den Jahren zuvor engagieren sich auf der Oldtimer Messe Tulln wieder zahlreiche Clubs, Museen und Privatpersonen, zu bestimmten Sonderthemen. Neben interessanten Fachvorträgen bieten Sonderausstellungen Wissens- und Sehenswertes: Unter dem Motto „Das historische Fahrzeug im zeitgenössischen Film“ präsentiert die Österreichische Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen prominente Oldtimer, ohne die viele Filme nicht entstehen hätten können. So z.B. der Fiat 1100 (Bj. 1939) aus dem Film „Die Kinder der Villa Emma“, in dem Dr. Moreali in Nonantola mit zwei jüdischen Kindern in eine Kontrolle der eingefallenen Wehrmacht gerät. Ohne das richtige, historische Fahrzeug wäre diese berührende, zeitgeschichtliche Filmszene nicht darstellbar gewesen. Aber auch von vielen anderen bekannten Filmen werden Fahrzeuge ausgestellt: „Akte Grüninger“, „Der Bockerer“, „Annas Heimkehr“, „Kästner und der kleine Dienstag“, „Der Trafikant“, „Das Dorf an der Grenze“, „Die Frau in Gold“, „Jud Süß – Film ohne Gewissen“, „Eine blassblaue Frauenschrift“ und noch einige mehr. Damit wird aufgezeigt, wie wichtig der Bestand historischer Fahrzeuge auch für den kulturellen Teil unseres Lebens ist.

Ein weiteres Highlight ist der Dienstwagen Mercedes 220 S Bj. 1957 von Außenminister Leopold Figl. Der „Große Ponton“ verkörpert das in Blech gegossene Wirtschaftswunder der 50er Jahre. Der Dienstwagen verfügt über eine luxuriöse Innenausstattung mit Wohnzimmerflair – die elegant im Holz eingelassenen Aschenbecher in den Türen waren für den starken Raucher Figl unerlässlich. Der Mercedes 220 S hat stolze 830.000 Kilometer auf dem Tacho und wurde im Jahr 2017 von der Landessammlungen Niederösterreich für das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich angekauft. Am 15. Mai 2017, genau 62 Jahre nachdem Figl den österreichischen Staatsvertrag als Außenminister mit grüner Tinte unterschrieben hatte– wurde das edle Fahrzeug von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in Empfang genommen.

Zudem werden auch den diesjährigen Jubiläen wieder eigene Sonderausstellungen gewidmet:

„100 Jahre Citroën“ widmet sich ganz der französischen Automobilmarke, die aus einer ehemaligen Zahnradfabrik in Paris entstand. Das daraus resultierende Startkapital wurde verwendet, um nach Kriegsende 1919 das erste in Großserie gebaute europäische Automobil zu fertigen. Damit war Citroën auch der erste europäische Automobilhersteller mit Fließbandproduktion nach amerikanischem Vorbild. Autos, wie die Serie Traction aber auch Avant (7cv, 11Cv, 15Cv und der HY Bus (fahrende Wellblechhütte) bildeten Meilensteine in der europäischen Autoindustrie. Den „Tupfen auf dem I“ bildete die avantgardistische Göttin DS.

 „60 Jahre BMW 700“ stellt den „Retter“ der BMW ins Rampenlicht, die 1959 vor der Übernahme durch Daimler-Benz standen. BMW schlitterten in eine finanzielle Notlage, da sie mit dem BWM 600 dem Bedarf an vollwertigen Kleinwägen in den 50er Jahren nicht nachkamen. Zu diesem Zeitpunkt kam der in Wien lebende BMW Händler und Automobilerzeuger Wolfgang Denzel ins Spiel. Er wollte BMW retten und machte den Vorschlag, selbst ein Auto zeichnen und konstruieren zu lassen, mit einem ähnlichen Motor wie zuvor der BMW 600, nur etwas stärker und der Einigung, dass er, wenn das Auto gebaut wird, eine größere Menge davon importiert. BMW war mit dem Vorschlag einverstanden und noch im selben Jahr entstanden zwei weitere Modelle. Bei der Oldtimer Messe Tulln werden sämtliche Modelle des BMW 700 ausgestellt.

Mit „60 Jahre Mini“ wird das Jubiläum einer vielbewunderten Stilikone und dem meist verkauften britischen Automobil gefeiert. Bei der Sonderausstellung wird ein Überblick über die verschiedenen Modelle, aber auch individuellen Umbaumöglichkeiten gezeigt. War der Grund für die Entstehung dieses kleinen, sparsamen Automobils eigentlich ein negativer – nämlich die Suezkrise von 1956 – so sind seine positiven Auswirkungen bis heute spürbar. Durch den Frontantrieb und den quer eingebauten Vierzylindermotor in Verbindung mit der neuartigen Kompaktkarosserie wurde der Mini zu einem Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Automobils.

Im Rahmen der Sonderausstellung „60 Jahre Haflinger“ werden auf mehr als 150m² einige der interessantesten Originalfahrzeuge präsentiert und auch viel Wissenswertes erzählt. Der Steyr-Puch 700 AP war die erste umfassend eigenständige Automobilkonstruktion Österreichs in der Zweiten Republik. Das Allradfahrzeug wurde mit jenem hochkarätigen Boxermotor ausgestattet, den zwei Jahre vor dem Hafi-Auftritt schon das „Puch-Wimmerl“ erhalten hatte, der Steyr-Puch 500 mit seiner Karosserie aus dem Hause Fiat. Das kompakte und leichte Fahrzeug war völlig anders konzipiert als der amerikanische Jeep, den man damals für das Maß der Dinge hielt, was Offroader dieser Gewichtsklasse betraf. Es gibt bis heute kein vergleichbares Automobil, welches in einer einzigen Grundform so viele Einsatzmöglichkeiten bietet und dabei einen derart geringen Materialaufwand fordert. In jedem Fall eine spannende Automobilhistorie, die die BesucherInnen auf der Oldtimer Messe Tulln erwartet.

Mit „50 Jahre Ford Capri“ wird ein Stück Lebensauffassung gefeiert. Die gefällige Karosserieform mit der langen Haube und dem kurzen Heck kam beim Publikum gut an. So mancher Familienvater entschied sich für den Capri – in welchem Auto mit Sportwagen-Feeling konnte man sonst eine vierköpfige Familie einigermaßen bequem unterbringen und das zu einem ausgesprochen günstigen Preis?! Die ausführliche Geschichte des Ford Capri von England und Deutschland in wenige Worte zu fassen ist schwierig. Auf der Oldtimer Messe Tulln wird es aber gelingen voll und ganz in die Faszination Ford Capri und seiner spannenden Karriere u.a. im Motor- und Rennsport einzutauchen.

 „50 Jahre Mazda in Österreich“ würdigt die längst gediente und erfolgreichste japanische Automarke in Österreich. Seit dem Start im Jahr 1969 hat Mazda 680.000 Autos in Österreich verkauft. Es ist ein Qualitätsbeweis, dass 250.000 davon heute immer noch fahren. Die Erfolgsgeschichte begann mit Limousinen wie dem 1500er, Kompaktautos wie dem 1000 oder auch Coupés wie dem 1300. Nebenbei pflegt Mazda seit jeher den Wankelmotor, angefangen vom Cosmo Sport, über den RX-7, bis zum RX-8. In den 80ern lieferte Mazda zwei Sensationen: 1986 die ersten Autos mit serienmäßigem Katalysator in Österreich, ab 1989 den Roadster MX-5, der als Spaßgarant für alle Altersklassen bis heute zum meistverkauften offenen Zweisitzer der Welt geworden ist. Auf der Oldtimer Messe werden die beliebtesten Modelle gezeigt.

Besucherinformationen zur 31. Internationalen Oldtimer Messe Tulln                      www.oldtimermesse.at