Mahrer: „Werden Mitgliedsbeiträge um 100 Millionen Euro senken“

Wirtschaftskammer-Präsident Dr. Harald Mahrer im Gespräch (Bildquelle: BMDW/Marek Knopp)
Wirtschaftskammer-Präsident Dr. Harald Mahrer im Gespräch (Bildquelle: BMDW/Marek Knopp)

Im aktuellen Sommergespräch mit „Guten Tag Österreich“ spricht Wirtschaftskammer-Präsident Dr. Harald Mahrer über die Zukunft der Kammer, den 12-Stunden Arbeitstag und den Wirtschaftsstandort Österreich.

Guten Tag Österreich: Herr Mahrer, Sie sind seit 18. Mai neuer Wirtschaftskammer-Präsident – was werden Ihre kommenden Schwerpunkte für die WKÖ sein?

Mahrer: In der WKÖ geht es nun darum, die Wirtschaftskammer zu einer modernen Serviceorganisation weiterzuentwickeln. Mein Vorgänger Christoph Leitl hat hier viel Vorarbeit geleistet und auch den nächsten Reformschritt schon eingeleitet, dessen Umsetzung 2019 beginnt. Dabei werden die Mitgliedsbeiträge um 100 Millionen Euro gesenkt und zugleich das Service ausgebaut. Dem werden weitere Schritte hin zu einer zeitgemäßen Vertretung für alle Unternehmen folgen. Was mir dabei besonders wichtig ist, ist ein allumfassender Exzellenzanspruch an uns selbst. So wie Kunden das jeden Tag von unseren Mitgliedsunternehmen erwarten, stellen unsere Mitglieder diesen Anspruch zu recht auch an uns. Aus diesem Grund wird es nicht nur Sparmaßnahmen geben, sondern auch Investitionen in die Zukunft, allen voran in Bildung – die für mich wichtigste Zukunftsinvestition.“

Guten Tag Österreich: Der 12-Stunden Arbeitstag ist in aller Munde und sorgt österreichweit für viele Missverständnisse, was sagen Sie dazu?

Mahrer: „Sie haben recht, es gab Missverständnisse, weil vonseiten der Arbeitnehmervertreter viel mit Polemik gearbeitet wurde. Ich hoffe allerdings, dass wir jetzt zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren. Denn was wir erreicht haben, ist die Anpassung der Arbeitszeit an die moderne Arbeitswelt. Das bedeutet eine Chance sowohl für die Unternehmen als auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Betriebe können besser auf die immer volatiler werdende Auftragslage reagieren, Arbeitnehmer erhalten die Flexibilität, freiwillig manchmal mehr zu arbeiten und dafür im Gegenzug längere Freizeitblöcke zu konsumieren oder auch Überstundenzuschläge zu bekommen. Dennoch wird längeres Arbeiten auch künftig die Ausnahme sein. Es ändert sich ja lediglich die zulässige Höchstarbeitszeit, die Normalarbeitszeit beträgt wie bisher acht Stunden täglich und maximal 40 Stunden wöchentlich.“

Guten Tag Österreich: Durch welche konkreten Schritte wollen Sie die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes in Österreich künftig sichern?

Mahrer: „Der Standort Österreich hat viele Stärken. Die wichtigsten sind, dass die österreichische Wirtschaft sehr bunt und dadurch breit aufgestellt ist, und dass in den österreichischen Unternehmen große Kreativität und Innovationskraft vorhanden sind. Wir müssen jedoch an den richtigen Stellschrauben drehen, um diese Stärken noch besser zu nutzen. Das heißt vor allem bürokratische Fesseln zu lösen, um mehr Freiräume und Beweglichkeit zu schaffen. Und wir brauchen eine bedingungslose Innovationsorientierung. Nur so können wir neue Produkte rascher zur Marktreife führen und dadurch mit der unglaublichen Dynamik, die uns Asien derzeit vorlebt, mithalten und in der Liga der Weltbesten spielen.“

Guten Tag Österreich: Stichwort Entbürokratisierung. Durch die zunehmende Überregulierung wird die Investitionstätigkeit in Österreich empfindlich behindert – was wird sich diesbezüglich künftig ändern?

Mahrer: „Wir setzen in der Wirtschaftskammer sehr stark auf Entbürokratisierung und Deregulierung und haben das Glück, hier auf Unterstützung durch die Bundesregierung zählen zu können. Bundesminister Josef Moser hat bereits angekündigt, sämtliche Gesetze zu durchforsten, jene, die nicht mehr zeitgemäß sind, werden ersatzlos gestrichen. Diese größeren Freiräume brauchen wir, um Kreativität in den Unternehmen zu fördern bzw. überhaupt zuzulassen. Anstatt uns damit zu befassen, ob der Stecker millimetergenau im richtigen Abstand zur Tür sitzt, müssen wir den Blick auf Zukunftsthemen richten. Dazu gehört auch mehr Mut und mehr Risiko, um Dinge auszuprobieren. Auch wenn wir die Chancen der Digitalisierung richtig nutzen wollen, gilt es, uns auf Neues einzulassen anstatt uns zu fürchten.“

Guten Tag Österreich: Welche Schritte sind geplant, um die berufliche Bildung in Österreich nach vorne zu bringen?

Mahrer: „Bildung ist für mich das Schlüsselkriterium. Als Wirtschaftskammer werden wir in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in Bildung und Qualifikation investieren. Das heißt, einerseits unterstützen wir die Unternehmen bei der Weiterbildung bestehender Mitarbeiter. Gerade in Zeiten der digitalen Transformation darf lebenslanges Lernen nicht länger nur ein Schlagwort sein. Andererseits ist es unser Ziel, die hervorragende duale Ausbildung in Österreich um digitale Inhalte zu erweitern und zu einer trialen Ausbildung weiterzuentwickeln. Die moderne Arbeitswelt verlangt nach einer Ergänzung um digitale Fähigkeiten.“

Guten Tag Österreich: Die Rahmenbedingungen im internationalen Handel sind derzeit nicht ganz einfach (Protektionismuswelle, US-Strafzölle). Wie steht es im Gegenzug dazu um die österreichische Exportwirtschaft und was ist hier zu erwarten?

Mahrer: „Die Exportwirtschaft spielt eine wichtige Rolle für den Standort. Sechs von zehn Euro werden mit internationalen Kunden verdient, das sichert auch die regionale Wirtschaft. Als exportorientiertes Land ist Österreich auf offene Märkte und den Abbau von Handelshürden angewiesen. Daher ist es wichtig, dass Europa sich nicht auseinanderdividieren lässt, sondern mit einer Stimme spricht. Und wir wollen gute Kontakte mit allen Teilen der Welt pflegen, auch mit von österreichischen Exporteuren noch weniger beachteten Regionen wie Australien oder dem afrikanischen Kontinent. Denn auch hier gilt: Wer offen ist für Neues, wird neue Chancen entdecken und nützen können.“